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„Sollen wir die Straße weiterfahren?“, fragt Philipp mit runzelnder Stirn. Es scheppert und ruckelt im Bus. „Eigentlich sollte es hier eine Autobahn, die wir bis nach Podgorica fahren können, geben.“ Die Straße ist grau, voller Matsch und mit Schlaglöchern übersäht. Seitdem sie diese riesige Baustelle im Flussbett passiert haben, wundern sie sich nicht mehr über den Zustand der Straße und dass ihnen nur LKWs entgegenkommen. „Das sind alles Chinesen!“, holpert es aus Philipps Mund. „Ja krass, selbst die Lastwagenfahrer sind Chinesen.“, fügt Anna hinzu. Sind sie in China? Eigentlich nicht aber es sieht ganz danach aus: chinesische Schriftzeichen, Chinesen auf der Baustelle, Chinesen, die die Straße fegen, Chinesen, die schweißen, Chinesen, die Autos fahren, und eine Siedlung für die chinesischen Arbeiter. Und dann entdecken sie den Grund für diese fragwürdige Szene: die Autobahn, die sich allerdings noch im Bau befindet. Faszinierend. Erschreckend. Die Chinesen bauen in Montenegro eine Autobahn und schaffen gleichzeitig ein kleines China auf dem europäischen Kontinent.

Sie drehen um und wechseln an diesem Tag zum zweiten Mal ihre Route. Die Straßen sind einfach zu schlecht. Die Fahrt ist irgendwie anstrengend. Philipp ist müde, Anna genervt und Anton zickig. Sie halten an einem kleinen Kloster und versuchen auf sich klarzukommen. Sie brauchen eine Pause. „Anna, ich will milde Temperaturen, keine Mücken, W-Lan im Bus und einen schönen Zeltplatz, auf dem wir länger bleiben können“. Alles klar, denkt sich Anna, und sagt „Ich will Pizza“. Sie als Reiseführerin kann nichts versprechen, überzeugt Philipp jedoch von ihrem Routenvorschlag und ihrer Vorgehensweise für die nächsten Tage.

Am Hang einer tiefen Schlucht mit senkrechten und glatten Felswänden fahren sie über Podgorica, vorbei am Skadarsko See nach Albanien. Zum ersten Mal müssen sie am Grenzübergang warten. Albaner drängeln sich vor, Anna muss dringend pickeln, Anton ist wach, quietscht und spielt mit seiner Riesenkracke. Das Warten hat ein Ende und sie fahren noch einige Kilometer bis nach Grilë. Dort gibt es einen Zeltplatz, von dem sie sich nicht viel erhoffen. Sie rechnen mit einem grauen Campingplatz – ohne Bäume und ohne Schattenplätze. Doch sehe da: Bäume, grüne Wiesen, Schatten, Liegen und Hängematten am See, ein Restaurant mit Pizza auf der Speisekarte, Stellplätze mit Dächern aus Schilf und W-Lan auf dem gesamten Gelände, milde 25 Grad und so gut wie keine Mücken.“ Ein Traum. Philipps Traum. Sie sind froh.