Sie bleiben fünf Nächte an diesem bezaubernden Ort. In diesen Tagen stellen sie fest, dass das Secret Hotel, seinem Namen entsprechend anscheinend in der Vergangenheit auch sehr secret war. Es steht leer. Die Terrasse wird von Disteln und anderen Pflanzen bewuchert. Die Rutsche rostet. Graffitileinwände wurden an der Hauswand abgestellt und vergessen. Alte Bierkästen stehen unbemerkt hinter dem Hotel. Und die Übersichtskarte des Skigebiets zeigt nur halb so viele Skilifte wie es in der heutigen Zeit gibt. Sie sehen ein schwarzes Eichhörnchen und jeden Tag kommt ein alter humpelnder Mann mit seinen Kühen und Kälbern vorbei. Er hat auch einen Esel. Gemeinsam durchqueren sie den Wald behutsamen Schrittes. Die Kühe und der Esel grasen auf der Wiese vor dem Hotel während der Mann im Schatten liegt und ab und zu einige Kühe, die sich auf der Suche nach saftigen Gräsern fortbewegen, wieder zurückholt. Jeden Tag begegnet er Anna und Philipp, schaut sie mit seinem von der Sonne zerfurchten Gesicht an und zeigt sein zahnloses Lächeln.

Nach zwei Nächten, die sie direkt unter den Fichten und direkt am Fluss standen, parken sie ihren Bus um und stellen sich auf den kleinen Parkplatz direkt am Hotel. Denn als sie von ihrem Ausflug in den Stadt Bansko zurückkommen, ist ihr Stellplatz belegt. Bansko bietet ein Kontrastprogram. An der Hauptstraße stehen mehrstöckige Hotels, reihen sich Clubs und Sportläden, die im Winter Skiausrüstung verkaufen und im Sommer geschlossen sind, aneinander. Dahinter liegen die Wohnhäuser der Anwohner, schöne alte Häuser, klein, einstöckig und manchmal zweistöckig. Eine recht neue Fußgängerzone schmiegt sich durch die Altstadt und erhellt die doch so sehr vom Skitourismus geprägte Ortschaft mit kleinen Cafés, einem Marktplatz und Denkmal.

Sie nutzen die Zeit und Ruhe. Es wird Wäsche gewaschen, es werden Blogeinträge geschrieben, es wird gelesen und ein paar Sachen im Internet bestellt, die Philipps Papa nach Bulgarien mitbringt. Anna lässt sich zwei Mal von Wespen stechen. Anton übt weiterhin seine halben Liegestützte. Trotz seines harten Trainingsprogrammes und der frischen Luft, die er den ganzen Tag einatmet, schläft er neuerdings erst halb zehn ein. Ist doch klar, oder? Schließlich ist es auch erst ab halb zehn wirklich dunkel, so lange kann er sich ja noch rumtragen lassen, Dinge beobachten oder mit seinen Fingerchen untersuchen.