Die Straße hoch zur Berghütte Wichren, die auf 1900 Meter liegt und von wo Wanderungen losgehen, ist von 9 bis 16 Uhr für PKWs gesperrt. Sie wachen 10 Minuten vor 9 Uhr auf. Schnell verstauen sie ihr Zeug. Anton fliegt im Schlafhemdchen in seinen Sitz und los geht’s. Die Straße ist schmal. Schon bevor sie die Hütte überhaupt erreichen, sehen sie die parkenden Autos am Straßenrand. Sie stellen ihren Bus ab und laufen den Rest. Vor der Hütte gibt es frisch gepressten Orangensaft. „Den gönnen wir uns, wenn wir zurückkommen“, sagt Anna, der schon das Wasser im Mund zusammenläuft. Im Gletschersee reichen und sehr alpinen Pirin Gebirge mit 14 Gipfeln über 2700 Meter ist ihr Ziel einfach: Ihre Wandertour soll sie zu einem Gletschersee bringen. Etwas steil über große weißgraue Steine geht es los. Danach wird der Wanderweg etwas moderater und führt sie über Wiesen und an einem glasklaren Bergbach entlang. Sie streifen hüfthochstehende Kiefern, die spärlich auf den Wiesen stehen. Es ist das erste Mal, dass sie eine Wanderung oberhalb der Baumgrenze beginnen und von Anfang an nackte Berggipfel und – wände sehen. Sie erklimmen noch einmal eine sehr steile Passage und erreichen einen wunderschönen grünblauen in der Sonne blitzenden Gletschersee, der von Bergen einkesselt ist. Sie gesellen sich zu drei Bulgaren, die unter dem einzigen Baum, der Schatten spendet, sitzen.

Philipp testet die Wassertemperatur und erzählt, dass er in den See springen wird. Die Bulgaren lachen und nehmen seine Worte nicht ernst. „Jump and die“, witzeln sie. Als sie weg sind, werden die Worte in die Tat umgesetzt. Wahrscheinlich haben die Bulgaren noch seine und Annas Schreie, welche ihre Münder verlassen haben nach dem sie aus dem kalten Wasser auftauchen, gehört. „Ah, huh, ah, huh, boah ist das kalt“, quietscht es wiederholend. Nachdem ersten Schock war es dann doch nicht so kalt und beide springen ein zweites Mal hinein.

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Da sie spontan entscheiden einen anderen Rückweg einzuschlagen, laufen sie einen schönen Rundweg, der sie an einen weiteren Gletschersee vorbeiführt und ihnen einen weiten Blick ins Tal schenkt. Zurück an der Hütte trinken sie den frisch gepressten Orangensaft nach dem sich Anna die gesamte Wanderung gesehnt hat und freuen sich über Anton, der jeden Menschen, der vorbeikommt, strahlend anlacht und dabei vor Freude quietscht. Am Auto angekommen, essen sie ihr restliches Essen und schuckeln Anton in den Schlaf. Sie fahren zurück zum Secret Hotel um ein letztes Mal dort zu übernachten. Auf der Fahrt halten sie Ausschau nach ihrer verlorengegangenen Fensterscheibe. Die Suche ist jedoch vergebens. Dort angekommen, begegnen sie dem Esel und wenig später auch dem Bauern, der lachend an ihnen vorbeiläuft. Am Abend sucht Anna einen Campingplatz in der Nähe vom Rila Gebirge heraus, wo sie sich am nächsten Tag mit Philipps Eltern treffen wollen.