Sie machen einen Abstecher in das Alamut Tal. Im Lonely Planet wird es an einer Stelle mit dem Attribut „Sensationell“ beschrieben. Anna ist dementsprechend neugierig und möchte gerne zu einer Burg der Assassinen – ein Highlight im Reiseführer. Um dorthin zu gelangen fahren sie kurvige und steile 80 Kilometer, hoch und runter, zwei Pässe überquerend. Irgendwo auf der Hälfte wird die Straße zunehmend schlechter. „Ich habe keine Lust mehr“, bricht es genervt aus Philipp heraus. „Ich kann fahren“, sagt Anna ruhig. Das Auto stoppt sofort. Philipp steigt aus, geht um das Auto herum, öffnet die Beifahrertür und sagt „bitte“. Anna nimmt ihre Rennfahrerposition ein – nach vorn gebeugt, beide Hände am Lenkrad – und los geht’s. Die ersten Kilometer fährt sie gemütlich bis sie – mit etwas mehr Vertrauen – den Bus in die Kurven legt und dabei den glotzenden Männern auf der Straße zu winkt. „Lässig“, sagt Philipp lachend und überrascht.

Am späten Nachmittag erreichen sie die Burg, von der noch nichts zu sehen ist. Sie zahlen Eintritt – das allererste Mal im Iran. Auf dem Weg nach oben begegnen ihnen IranerInnen und es prasselnd ihnen ein „Where are you from?“ und „Can we take a picture?“ entgegen. Zwei Männer, die auch nach oben lauf, keuchen „It is the hardest thing I’ve ever did“. Anna schmunzelt, da der Weg wirklich nicht besonders anstrengend ist. Sie laufen durch ein hohes Tor, schauen auf schräggestellte Felsschichten und eine Wand aus Steinen. Dass sie eine Burgruine besuchen, hat Anna wohl überlesen. Sie sehen das Mauerwerk und Dreistockwerke, die sich im Felsen verstecken, mit Gängen und kleinen Räumen. Von der allzu spektakulären Landschaft sehen sie ebenfalls recht wenig. Es ist bewölkt und diesig. Schade. Sie treffen auf ein weiteres Pärchen auch sie wollen ein Foto mit Anton machen. Auf dem Weg nach unten beschließen Anna und Philipp, nachdem sie ihre Eindrücke lang und breit ausgetauscht haben, dass Anton nicht mehr von jedem X-Beliebigen abgelichtet werden darf.

Sie verkriechen sich in ihren Bus und bereiten alles für die Nacht vor. Auf 2000 Meter Höhe wird es schließlich kalt. Schlafsack, Decken, lange Schlafhosen, Pullis und Mützen liegen parat. Essen, Zähneputzen, und ins Bett fallen.