Alle Reisenden haben sich entschieden weiterzufahren. Für Christoph ist das Wetter günstig und die kleine Familie möchte langsam den Iran verlassen. Sie räumen ihre Sachen zusammen, packen und waschen noch schnell ihre Dreckwäsche. Bevor sie mit allem fertig sind, hält ein Typ auf einem schicken Rennrad bei ihnen und quatsch Christoph und Anna an. Er möchte ein wenig plaudern und nagelt sie fest. Er erzählt von der schlechten Situation im Iran. „You know, it is really bad. I mean really bad.”, sagt er noch sehr oft. Es ist interessant endlich mal mit jemanden ausführlicher über die Sitten und aktuellen politischen und wirtschaftlichen Geschehnisse zu reden. Und es ist tatsächlich so, dass die Polizei junge Paare kontrolliert ob sie verheiratet sind oder sich heimlich treffen.

Wenig später kommt ein Paar – oder Freund und Freundin – vorbei. Er sieht aus wie ein Samurai. „I am Japanese.“, sagt er als sich alle vorstellen. Sie ist lässig gekleidet, trägt Sonnenbrille und ihr Kopftuch hängt locker am Kopfende. „I am sure Chamenei is a Russian spy. It is crazy but we gave the Caspian Sea to Russia and China occupies the Persian Golf“, erzählt er mit einem ironischen Lächeln. Er und seine Freundin wollen auswandern – er in die Ukraine und sie nach Kanada oder mit ihm in die Ukraine. Er hat keine Probleme mehr mit der Polizei, wenn er mit einer Frau unterwegs ist denn er ist so alt, dass Mensch erwartet verheiratet zu sein. Es wird später und später. Als der Radfahrer sich schließlich verabschiedet, haben es Christoph und die anderen nicht mehr so eilig. Sie gehen noch etwas essen bevor sie getrennte Wege gehen.

Anna, Philipp und Anton sitzen im Auto und fahren Richtung Urmia. Sie schaffen es gerade mal aus Tabris raus und auf die Autobahn bevor sie wieder anhalten müssen um Anton auf den Topf zu setzen und zu bespaßen. Außerdem geht es Anna nicht gut. Sie legt sich kurz hin und schläft während die beiden Jungs unter dem Bett spielen.

Mit einem besseren Befinden und wieder müden Anton fahren sie weiter. Immer gerade aus. Die Straße ist gerade. Nein, nicht abbiegen, einfach dem Straßenverlauf folgen. Sie fahren über eine flache Ebene, direkt zum Salzsee Urmia, der mindestens genauso salzig sein soll wie das Tote Meer und inzwischen in einer gleichen Geschwindigkeit schrumpft wie der Aralsee. „Auf der Karte wäre hier schon See“, sagt Anna. Sie sehen kein Wasser, sondern nur ein ausgetrocknetes Ufer. Sie schlafen auf der Insel Islami, die keine Insel mehr ist. Sie parken am Wegesrand vor einer Baumreihe neben einem großen getrockneten Misthügel. Sie sind müde und schlafen schnell ein.