Die Luft ist dünn. Viel dünner als in Sucre. Die Luft ist kalt und die Sonne brennt. Am Straßenrand warten sie auf ein Taxi. Viel länger als sie es aus den anderen Städten gewohnt sind. Das eine welches frei ist, hält an und wird von einem sehr netten Fahrer gefahren. Er erzählt von der Neujahrsfeier und das die meisten Läden geschlossen sind, weil die Besitzer noch trinken würden.

Nachdem sie in ihrer Unterkunft angekommen sind, gehen sie spazieren. Es ist so kalt, dass sie alles anziehen müssen was sie dabeihaben. Hungrig kriechen sie langsam durch die bunten Straßen, an deren Kreuzungen der 4800 Meter hohe Cerro de Potosí – der Berg, der seit der spanischen Kolonialzeit wegen seiner Mineralvorkommnisse ausgebeutet wird – erscheint und in Richtung Himmel ragt. Ein farbenfroher Berg mit einer dunklen und ungewissen Zukunft.  

Tatsächlich, alle Restaurants haben zu, nur Vica Fria, ein Eisladen, und diverse Klamottenläden aus denen laute Musik dröhnt haben auf. Es ist verrückt, dass die Menschen Eis essen aber für sie beginnt jetzt auch die wärmste Zeit des Jahres. Selbst wenn die kleine Familie Eis essen würde, könnte das ihre hungrigen Mägen nicht füllen. Auf einem Platz werden Pasteles con Queso zubereitet und ein Heißgetränk aus violettem Mais, welches den Körper einmal komplett bis in die letzte Haarspitze durchwärmt, verkauft. Sie setzen sich, essen mit anderen Menschen, schlürfen dieses wahnsinnig süße Heißgetränk und schauen in starre vom kalten und rauen Klima geprägte Gesichter.

Später finden sie in der Fußgängerzone noch ein Café wo sie etwas essen. Unzufrieden und halbgesättigt schleppen sie sich kaputt und schnaufend die steilen Straßen zurück zur Unterkunft. Anna bekommt wahnsinnig starke Kopfschmerzen und plagt sich mit Übelkeit. Es hält die ganze Nacht an. In den darauffolgenden Tagen werden die Kopfschmerzen immer mal wieder besser aber Appetitlosigkeit und Übelkeit bleiben hartnäckige und treue Begleiter bis sie sich schließlich eines Abends übergibt. Philipp geht es etwas besser wobei er zwischendurch auch sehr leidet, sich aber mit Ibuprofen und Coca Tee über die schlimmste Phase rettet. Ihr schlapper Zustand lässt Potosí zu einem anstrengenden Teil ihrer Reise werden.

Philipp besucht zusammen mit Kiki und Nemo die Minen. Anna und Anton bleiben in der Unterkunft, da für die beiden die Minen kein angenehmer Ort ist. Es sind enge, dunkle Gänge, durch die sie laufen. Männer mit Stirnlampen um den Kopf und prallen dicken Backen, die mit Coca Blättern, aus denen sie runde Bällchen im Mund geformt haben, gefüllt sind, bohren, hämmern und hacken ins Gestein auf der Suche nach wertvollen Mineralen. Coca betäubt ihre Schmerzen und vermindert das Hungergefühl. Nur so können sie diese extrem harten Arbeitsbedingungen überleben. Philipp teilt all seine Impressionen und sein angeeignetes Wissen mit ihr als er zurückkommt. Anna und Philipp sind überwältigt, schockiert und völlig fern ihrer europäischen Blase, in der sie sonst leben.

Als es an die Reiseplanung geht, sind sie sich uneinig. Anna möchte unbedingt zum Salar de Uyuni, von welchen sie 2008 Bilder auf dem Handy eines israelischen Bekannten gezeigt bekommen hat. Sie erinnert sich noch haargenau an diesen Moment und seine Worte: Das ist der schönste Ort, den ich je in meinem Leben gesehen habe. Und er ist viel gereist. Leider spricht ihr Zustand gegen eine Tour über den größten Salzsee der Erde. Am Ende der Diskussion wird Philipp überzeugt. Sie werden mit dem Bus nach Uyuni fahren und zusammen mit Kiki und Nemo, die sich spontan entschieden haben mitzukommen, eine Tagestour unternehmen. Falls sich jedoch Annas Zustand in Uyuni nicht bessert, werden sie von Uyuni direkt nach La Paz fliegen.