That’s the shit – Trockentrenntoilette für den Camper Van

That’s the shit – Trockentrenntoilette für den Camper Van

That's the shit! Trocken-trenntoilette im Camper Van

Infos, die du brauchst. Erfahrungen, die dir helfen.

Du möchtest keine große Dusche mit eingebauter Toilette im Camper haben. Du möchtest den Platz lieber für etwas anderes nutzen. Aber ohne Toilette im Wohnmobil auf Reisen zu gehen, kannst du dir auch nicht vorstellen. Du willst schließlich nicht ständig auf der Suche nach einer Toilette sein oder immer im Wald kacken gehen.

Es gibt eine kleine feine Lösung: eine Trockentrenntoilette/Komposttoilette. Diese sieht unauffällig und schick aus, kann als Hocker oder Ablage verwendet werden und gibt es als Bausatz zu kaufen. Und wenn du ein größeres Wohnmobil hast, lohnt sich eine Trockentrenntoilette mit Rührwerk.

Du bekommst eine grüne und saubere Lösung für dein Problem vorgestellt. Ich teile unsere Erfahrungen mit dir und stelle dir die wichtigsten Informationen im Überblick dar.

 

 

Was ist eine Kompost-/ Trockentrenntoilette?

Das ist eine Toilette, die ohne Wasser funktioniert. Anstatt zu spülen wie bei einer Wandtoilette mit Spülkasten, streust du zum Beispiel Sägespänne über dein Geschäft. Der Urin wird vom Kot in getrennten Behältern aufgefangen. Das Streu nimmt Wasser auf. So bleibt das Feste – im besten Fall ist das auch fest – trocken und riecht weniger bzw. gar nicht. Das kann dann als Kompost verwendet werden. Oh ja, das klingt nicht nur nach Ökotoilette, das ist auch eine.

Und diese Art von Toilette eignet sich auch für dein Wohnmobil. So eine Trockentrenntoilette im Wohnmobil bedeutet mehr Autarkie, mehr Freiheit und mehr Unabhängigkeit.

Was hat uns zur Trockentrenntoilette geführt? Eine kleine Anekdote

Wir sind auf unserer ersten längeren Reise mit Camper Van oft in der Natur auf Toilette gegangen. Manchmal haben wir auch unseren Kackstuhl aus Holz benutzt, der hat den Toilettengang im Freien annehmlicher gemacht. Tiefes Hocken ist nicht für jeden Menschen etwas.

So sah dann der tägliche Gang aus: mit Schaufel und Klopapier losziehen, einen geschützten Platz suchen, ein Loch schaufeln, über dem Loch richtig Platz nehmen – dass auch alles im Loch landet, abwischen, benutztes Papier mitnehmen und in einen Mülleimer werfen.

Die Herausforderung bestand definitiv darin ein tiefes Loch buddeln zu können, weil der Untergrund stimmen muss: lockere Erde ist ein Traum, fester trockener Boden ist eine Katastrophe. Alles dazwischen geht. Auch bei tieferen Temperaturen kann der Gang nach draußen unangenehm sein. Aber ganz ehrlich, mein schönsten Kackerlebnis hatte ich in Georgien bei 5 °C: in einem Tal in der Nähe vom höchsten Berg des Kaukasus. Die Sonne kam gerade über die Hügel gekrochen, im Hintergrund rauschte der Wasserfall und ich saß auf unserem Holzkackstuhl und hab meinen Atem gesehen. Boah!

All das war kein Problem. Denn wir haben häufig frei, mitten im Nirgendwo geparkt. Und wenn das nicht der Fall war, haben wir öffentliche Toilette besucht oder haben die Gelegenheit genutzt, um in einem Café etwas zu trinken.

Auf unserer Reise durch Italien war diese Vorgehensweise unmöglich. Wir standen fast täglich vor der Frage, wo wir denn auf die Toilette gehen. Also haben wir häufiger auf Campingplätzen geschlafen oder waren in Cafés etwas trinken. Manchmal gab es auch öffentliche Toilette an Stränden.

Wir mussten umdenken und haben recherchiert. Wir haben das Unternehmen Kildwick gefunden. Sie hatten zu diesem Zeitpunkt eine einzige Trockentrenntoilette für Wohnmobile im Angebot: die MiniLoo. Heute gibt es noch drei weitere Versionen. Das war unsere Rettung. Leider kam sie nie an.

In Deutschland haben wir einen zweiten Versuch gestartet. Seit einem Jahr besitzen wir also die MiniLoo Trockentrenn- /Komposttoilette von Kildwick.

Was spricht für eine Trockentrenn-/Komposttoilette?

Du brauchst keine Chemie zu verwenden. Das bedeutet mehr Unabhängigkeit im Urlaub und im Vanleben, da du keine Entsorgungsstation anfahren musst. Du auch keine schädliche Chemiekalien besorgen.

Du sparst Wasser. Dein Wasserfußabdruck wird sich enorm senken: Ist eine Kassettentoilette im Wohnmobil eingebaut, verbraucht diese bei zwei Personen fünf bis sechs Liter pro Tag Wasser für die Spülung. Was für eine Verschwendung?!

Auch für dein grünes Bewusstsein ist eine Trockentrenntoilette hilfreich. Denn es muss kein verunreinigtes Schwarzwasser in der Kläranlage wieder aufbereitet werden.

Du verzichtest auf komplizierte Entleerungen. Du sparst Zeit, da die Suche nach Entleerungsstationen wegfällt. Und du gewinnst Zeit, da du teilweise weniger häufig entleeren musst.

Und was spricht gegen eine Trockentrenntoilette? Für mich spricht nicht wirklich etwas dagegen. Die Vorteile überwiegen in meinen Augen. Aber es gibt eventuell Dinge, die du wissen solltest oder die den ein oder anderen stören.

Du brauchst Beutel und Einstreu, das musst du im Wohnmobil irgendwo unterbringen. Wenn du Durchfall oder weichen Stuhlgang hast, brauchst du mehr Einstreu. Die Trennung von Urin und Feststoff ist für Frauen manchmal nicht 100% möglich. Wenn du sie in der Kabine haben willst, musst du sie selbsteinbauen oder einbauen lassen, da es bisher noch keine Wohnmobile mit fertig eingebauten Trockentrenntoilette gibt.

Wie ist das mit einer Trockentrenntoilette im Bus? Unsere Erfahrungen

In unserem Camper Van – ein Fiat Ducato L4H2 – steht die Toilette mitten im Raum und fungiert auch als Ablage. In anderen Wohnmobilen gibt es Toilettenkabinen. Hier kannst du eine Trockentrenntoilette einbauen. Falls du dein Wohnmobil selbst ausbauen möchtest, hast du die Möglichkeit eine Trockentrenntoilette mit Kabine einzuplanen.

Womo.blog zeigt dir, wie du eine Kassettentoilette ausbaust und eine neue Trockentrenntoilette einbaust. Und beim Womoguide erfährst du, wie eine Trockentrenntoilette in einen Kastenwagen eingebaut werden kann.

Wir haben keine Kabine und keine Tür, die du verschließen kannst. Wir sitzen mitten im Raum unseres Wohnmobils, kacken und pinkeln. Manchmal während die anderen frühstücken. Wenn du allein bist, ist das eine wundervolle Sache. Aber es kann eventuell für den ein oder anderen unangenehm sein, wenn jemand dabei ist. Unsere Toilette ist nicht fest. Wir könnten sie also auch nach draußen stellen. Wir könnten mit Blick aufs Bergmassiv oder aufs Meer unser Geschäft erledigen. Das klingt doch nach was, oder? Wir haben das nie gemacht.

Die fast leere Klopapierrolle anstarren und das Risiko abschätzen, ob einmal kacken noch drin ist. Leben am Limit.

lustige Zitate

Ich finde die Trockentrenntoilette klasse. Philipp sieht sie eher als Notlösung an. Er mag den Gedanken nicht, dass die Toilette neben der Küche oder dem Esstisch steht. Er empört sich über den Geruch, wenn ich auf der Toilette sitze. Das sorgt aber auch für gute Stimmung, da wir herzlich darüber lachen können. Wenn der Deckel zu ist, riecht es nicht mehr. Vorausgesetzt es ist genug Einstreu drin.

Es ist eine geniale Alternative zur klassischen Chemietoilette, die in herkömmlichen Wohnmobilen eingebaut ist. Mit einer Trockentrenntoilette haben wir eine bequeme und saubere Lösung für unser Toilettenproblem gefunden. Denn wenn es mal dringend ist oder es keinen geeigneten Ort gibt, können wir im Wohnmobil auf die Toiletten gehen, ohne Wasser zu verbrauchen oder Chemikalien nutzen zu müssen.

Wir haben allerdings selten komplett geruchsfrei gelebt. Aber das hängt vielleicht auch mit meinem etwas weicheren Stuhlgang zusammen. Uuups, vielleicht zu viel Information für dich? Sei froh, dass ich nicht mehr ins Detail gehe 😉. Und auch beim Pinkeln kam ab und zu Urin in den Feststoffbehälter. Außerdem waren wir mit dem Einstreu sparsam. Wer das besser hinbekommt und einen gut arbeitenden Darm besitzt, hat damit bestimmt weniger Probleme.

Warum haben wir uns für diese Variante und für Kildwick entschieden?

Wir haben uns für die MiniLoo von Kildwick entschieden, weil wir wenig Platz haben. Eine kleinere Variante wollten wir nicht, weil wir vier Personen sind. Wir haben einen Vorteil darin gesehen die Toilette als zusätzliche Ablage oder Hocker benutzen zu können. Wir haben kein Problem die Toilette regelmäßig nach zwei bis vier Tagen zu entleeren. Kildwick produziert in Deutschland, was uns gefällt. Und die MiniLoo sieht schick aus und ist unauffällig. Kaum einer hat sie je wahrgenommen: „Wo ist eigentlich eure Toilette?“.

Wie funktioniert es und was ist zu beachten?

Beutel rein. Etwas Einstreu rein. Rauf setzen. Drücken. Abwischen. Papier rein oder in eine Mülltüte. Einstreu rauf. Wenn es etwas flüssiger war, dann etwas mehr Einstreu benutzen. Deckel zu. Nach ein paar Tagen entleeren und kurz säubern. Neuer Beutel rein. Und von vorne beginnen. Wenn du eine Trockentrenntoilette mit Rührwerk kaufst, kannst du auf die Beutel-rein-Beutel-raus-Nummer verzichten.

Reinigungsmittel

Zum Reinigen verwendest du am besten wenig aggressive Reinigungsmittel. Du kannst zum Beispiel eine Essig-Wassermischung nutzen. Oder du verwendest den Rote Beete Reiniger von Kildwick. Andere ökologische Reinigungsmittel gehen auch.

Entleeren und säubern

Regelmäßig entleeren und sauber machen. Auch den Container für den Urin darfst du gerne nach jeder Entleerung mit Essigwasser ausspülen. Das verhindert die Bildung von Urinstein, der teilweise hartnäckig ist und Übel riecht. Wenn du die Toilette länger nicht benutzt, auf jeden Fall vorher entleeren und säubern. Ansonsten erwarten dich beim nächsten Toilettengang üble Gerüche und eventuell Schimmel.  

Bei Toiletten mit Rührwerk musst du weniger häufig entleeren. Hier geht es auch darum den Inhalt der Toilette zu kompostieren. Manchmal ist hier eine Entleerung erst nach Wochen nötig.

Den Urinkanister kannst du in jeder Toilette oder Entsorgungsstation entleeren. Der Beutel mit deinen Fäkalien und Einstreu darfst du in den Hausmüll, in Restmülltonnen oder in öffentlichen Mülleimern entsorgen.

Zum Entleeren von Trockentrenntoilette mit Rührwerk musst du die Toilette fast komplett zerlegen und herausnehmen. Zwar erst nach Wochen aber der Aufwand bleibt. Wohin damit? Auf einen Kompost oder in die Restmülltonne.

Einstreu

Jedes Einstreu in der untenstehenden Liste saugt Wasser auf und bindet Gerüche. Das eine etwas mehr als das andere. Manche haben besondere Eigenschaften und eignen sich sehr gut zum Kompostieren.

Kleintierstreu und Sägespänne

  • leichtes Material
  • überall erhältlich
  • sorgt für eine gute Durchlüftung
  • mittelgroße Holzhobelspäne, nicht zu klein oder zu fein verwenden

Rindenmulch

  • sehr gute Geruchsbindung
  • für schnelle Kompostierung
  • sondert Duftstoffe ab
  • sehr gute Geruchsbindung
  • unattraktiv für Fliegen

Kokosfasern

  • fördert Kompostierung
  • oft bei Modellen mit Rührwerk verwendet
  • für Modelle ohne Rührwerk weniger geeignet, da sie eine Mono-Struktur bilden
  • unwahrscheinlich gut saugfähig
  • nachhaltig, weil sie ein Nebenprodukt der Seilherstellung sind
  • werden aber oft
  • bauen sich langsam ab und bilden schlechten Humus

trockener Kaffeesatz

  • nur eine Zwischenlösung so viel Kaffee kann gar nicht getrunken werden aber man verwendet es wieder
  • bindet Feuchtigkeit und Gerüche

Humus oder Erde

  • natürliche Unterstützung der Kompostierung
  • für Gartenhäuschen oder Tiny House ideal
  • nur für Wohnmobile verwendbar, wenn keine Müllbeutel benutzt werden, wird schwer weshalb ein Beutel reißen könnte

biologischer Katzenstreu

  • besteht aus pflanzlichen Materialien
  • wird manchmal schwer daher kann der Müllbeutel reißen
  • Nicht-biologisches Katzenstreu muss in der Restmülltonne entsorgt werden

Einstreu extra für Trockentrenntoiletten

  • Biolan, Rindenschot, Kackpulver von Goldeimer, Miscanthus-Streu von Kildwick
  • sind für Kompostierung ausgelegt

Streu welches Kompostierungsprozess unterstützt brauchst du eigentlich nicht wenn du nicht vor hast deinen Stuhlgang zu kompostieren. Trockentrenntoilette ohne Rührwerk sind nicht für das Kompostieren vorgesehen.

Wo kannst du eine Trockentrenntoilette kaufen?

Die Variante, die wir haben – also eine Trockentrenntoilette ohne Rührwerk in einem schicken Holzkasten verpackt – gibt es bei Kildwick als Bausatz, oder auch bei Trelino und Trobolo. Andere Anbieter wie Nature’s head, Separett und Biolan bieten Trockentrenntoiletten mit Rührwerk an.

Falls du dich für eine Trockentrenntoilette von Kildwick mit handgemaltem Design interessierst, dann schau bei Vanlust rein. Eine Bauanleitung liegt bei.

Wenn du die Preise siehst, fällst du vielleicht vom Hocker. Ja, Trockentrenn-/ Komposttoiletten sind neu nicht günstig zu kaufen. Der Preise variieren grob zwischen 500 und 1200 Euro. Der Kauf lohnt sich, jedoch.

Was musst du beim Kauf bei Kildwick beachten?

Du brauchst das Spillguard Kit. Das ist ein Deckel für den Urinkanister, der schützt vor unangenehmen Gerüchen und vorm Auslaufen. Du brauchst Streu. Das Streu unterbindet den Geruch. Verwende ausreichend davon, dass erst gar keine Gerüche entstehen.

Falls, doch Gerüche entstehen, kannst du einen 5 V Lüfter dazu kaufen. Diesen kannst du mit dem Solarpanel betreiben. Wir haben uns dagegen entschieden, weil wir so die Komposttoilette hätten fest installieren müssen. Mit Kabel und Lüftungsrohr wäre sie unflexibel gewesen. Und wir wussten auch nicht, wohin wir hätten entlüften sollen.

Du brauchst Mülltüten. Und zwar mit einem Fassungsvolumen von 30 Liter. Kildwick und andere Anbieter stellen hier kompostierbare Tüten bereit. Stinknormale Plastiktüten funktionieren auch. Wenn du das komplette Öko-Toiletten-Set haben möchtest, wählst du die kompostierbaren Tüten 😉.

Die Trockentrenntoiletten von Kildwick gibt es als Bausatz. Das heißt du darfst sie zu Hause zusammen bauen. Im Paket liegt eine Bauanleitung. Puh, Glück gehabt!

Zusammenfassung

Wir leben und arbeiten im Wohnmobil. Was zur Hölle aber ist Vanlife?

Wir leben und arbeiten im Wohnmobil. Was zur Hölle aber ist Vanlife?

Wir leben und arbeiten im Wohnmobil. Was zur Hölle aber ist Vanlife?

Juli, 2021

Wir haben ein dänischen Pärchen in Barril de Alva in Portugal getroffen. Dänen in Portugal? Ja tatsächlich. „Why do you do Vanlife?“ hatte sie uns neugierig gefragt. Ah, Vanlife. Ja, klar. Äääh, ich dachte, wir leben gerade einfach nur in einem Wohnmobil.

Was ist Vanlife - eine Infografik

Was ist Vanlife?

Vanlife ist eine neue Form des Lebens: du lebst, reist und arbeitest in einem Wohnmobil. Foster Huntington hat es vor und bekannt gemacht. Er ist in einen Van gezogen, um sich dem täglichen Alltagsstrapazen zu entziehen und als digitaler Nomade zu leben. Und mit Internet, was fast überall verfügbar ist, und dem etablierten digitalen Leben, ist es auch möglich online Geld zu verdienen. Du lebst on the road und arbeitest während du reist.

Vanlife ist Kultur, Lifestyle und Community, Minimalismus und Mobilität. Vanlife ist ein Ausweg und eine Bewegung. Und in den Sozialen Medien wird es mit dem Hashtag #vanlife dokumentiert. Menschen erzählen in Bildern und Texten vom Vanlife mit ihren Hunden und fotografieren ihre Camper, die an steilen Küstenstreifen, mitten in den Bergen oder unter hohen Bäumen geparkt sind. Vanlife wird digital gelebt – romantisches Lagerfeuer auf dem Camping Platz war gestern – und Gleichgesinnte finden sich über digitale Plattformen. Soo verrückt und doch Teil unserer heutigen Welt! Der Camper Van ist dein zu Hause und home is where you park it. Vanlife ist mehr als Urlaub, mehr als Camping aber Reisen und Camping gehören dazu.

Du willst das auch? Ich sage dir was du dafür brauchst.

Was brauchst du für Vanlife?

  1. # 01 | Ein Wohnmobil

Ein fertiges Wohnmobil wie es die Rentner gerne fahren, eines dieser Monster Wohnmobile, mit denen Leute durch die Wüsten der Welt fahren, ein Kastenwagen oder einen hippen VW-Bus. Alles geht. Hauptsache es passt zu dir, deinen Bedürfnissen und deinem Budget.

Wir leben und arbeiten in einem Kastenwagen (Fiat Ducato L4H2, Baujahr 2016), den haben wir gebraucht bei mobile.de gefunden und selbst ausgebaut, was ungefähr 7 Monate gedauert hat. Nach unserer dreimonatigen Italien Reise haben wir jedoch noch einige Dinge verbessert und nachgerüstet. Der Kastenwagen ist knapp unter 6 Meter lang und hat Stehhöhe – Philipp ist 1,83 m lang. Für unsere Bedürfnisse reicht dieses Modell von Fiat völlig aus. Du wunderst dich? Ja, du erinnerst dich richtig wir sind zu viert und teilen uns 10 qm.

Wir schlafen alle in einem Bett, haben Drehbare Sitze, eine Sitzbank, einen klappbaren Tisch, eine Solaranlage auf dem Dach, eine Marquise, eine Küche, eine Spielhöhle und Stauraum unterm Bett. Wieso haben wir uns für diesen Kastenwagen für unser Vanlife Projekt entschieden? Diese Größe ist nicht zu klein und nicht zu groß. Wir können damit in Städten herumgurken. Passen durch enge Straßen, finden damit einen Parkplatz und zahlen PKW-Tarife auf Fähren: Wir finden das ist ein perfekter Camper für eine Familie mit Baby und Kleinkind.

 

  1. # 02 | Time off

Wie schaufelst du dir nun Zeit dafür frei? Du kannst ein Sabbatical nehmen. Du hast ein Baby? Dann kannst du in Elternzeit gehen und das bis zu drei Jahre. Das erste Jahr davon bekommst du Elterngeld, das reicht dir und deiner Familie wahrscheinlich nur wenn du eure Wohnung, euer WG-Zimmer oder Haus untervermietest. Menschen, die in Deutschland leben, haben das Glück, dass sie Elterngeld beziehen dürfen. Deutschland klopft sich dafür auf die Schulter. Unnötigerweise. Denn das Elterngeld ist an das Einkommen gekoppelt: du hast wenig verdient also erhältst du wenig Elterngeld; du hast viel verdient also bekommst du mehr. Ein gleich hoher Betrag für alle, völlig unabhängig von Einkommen, würde den Familien und Kindern zu Gunsten kommen. Und dann bitte auch ein Geldbetrag von dem Familien leben können. Aber so weit ist Deutschland noch nicht. Ein anderer Weg sieht so aus: Du kündigst deinen Job, wirst selbstständig und verkaufst dein Zeug. Bam! Auch das machen Menschen.

Wir haben mit einem Jahr Elternzeit angefangen – ich hatte zwei Monate und Philipp 12.  Danach haben wir fast zwei Jahre in Deutschland gelebt und sind dann wieder in Elternzeit gegangen: Gleiches Schema wie bei Anton. Außer das wir auf drei Jahre verlängert haben. Und nun haben wir uns entschieden auszusteigen und uns abzumelden: Wohnmobil statt Wohnung. Dauerhaft oder bis wir kein Bock mehr haben.

 

  1. # 03 | Ortsunabhängiges Einkommen

Du willst nicht an deine Ersparnisse ran. Oder deine Arbeit stresst dich und macht dir kaum noch Spaß. Vielleicht möchtest du auch einfach nur weniger arbeiten. Dann ist ein skalierbares ortsunabhängiges Einkommen das richtige für dich.

Wir verdienen unser Geld online: Philipp gibt Webinare, produziert Videos für Online-Kurse und hilft bei der Weiterentwicklung des Coaching-Programms. Ich schreibe, fotografiere, designe und berate. Unsere Arbeitszeiten können wir flexibel gestalten. Wir sind nicht darauf angewiesen 40 Stunden die Woche zu arbeiten. Es gibt viele verschiedene Dinge, die du ortsunabhängig anbieten kannst.

Es geht auch anders. Du kannst ein Unternehmen aufbauen, was du von überall aus managen kannst. Du bist der Chef oder die Chefin, behältst alles im Überblick und verteilst die Arbeit an dein Team. Vielleicht kannst du besonders gut Smoothies machen und diese auf Festivals verkaufen. Du bist kreativ und handwerklich geschickt: Dann kannst vielleicht aus Muscheln und Steinen Schmuck herstellen, den du vor deinem Camper Van verkaufst. All diese Varianten haben wir auf unserer Reise durch Portugal kennengelernt.

 

  1. # 04 | geringere Ausgaben

Wenn du deine Ausgaben reduzierst, kannst du weniger arbeiten und trotzdem ein angenehmes Leben führen. Wie kannst du Geld sparen? Du kannst deine Wohnung, dein WG-Zimmer oder dein Haus untervermieten oder ganz ausziehen. Wenn Dinge kaputt gehen, kannst du sie reparieren. Auch bei Windeln kannst du Geld sparen: Du benutzt Wegwerfwindeln, dann kannst du auf Stoffwindeln wechseln. So kannst du deine Ausgaben wirklich stark reduzieren. Wenn du insgesamt weniger konsumierst, gibst du im Monat weniger Geld aus: Du kannst deine Abos – Netflix und Co – kündigen, weniger rauchen, weniger Alkohol trinken, weniger Essen gehen und mehr selbst kochen. Und wenn du unterwegs bist, kannst du wild stehen, bei Farmen anfragen oder bei workaway mitmachen.

Vanlife Familie

Familie und Vanlife, geht das? Kann man mit Baby und Kleinkind in einem Wohnmobil leben?

Ja, klar. Das geht. Du kannst mit deiner Familie in einem Camper leben, dauerhaft oder für eine gewisse Zeit. Du bist unterwegs und doch zu Hause. Du kannst auf Überflüssiges verzichten und nichts wird dir fehlen. Du lernst fremdes kennen und fühlst dich vertraut. Wenn es dir nicht gefällt, ziehst du weiter und dein Nest zieht mit. Es ist einfacher als du es glaubst. Am besten ist es wenn du noch mit anderen Familien zusammen an einem Ort stehst.

Wie ist das Leben mit Baby und Kleinkind im Van?

Cool. Alltäglich. Flexibel. Spannend. Neu. Stressig. Anstrengend. Einfach. Lustig. Dreckig. Kompliziert. Spaßig. Und nie Bilderbuch mäßig. Und auch nicht romantisch. Ein Baby hat weiterhin schwierige Tage und Wochen. Es schläft immer noch nicht durch und bekommt Zähne. Es entwickelt sich und wächst. Und auch ein Kleinkind stolpert von einer Autonomiephase in die nächste.

Was ist denn nun anders? Ich bin als Frau nicht allein damit. Ich bekomme als Frau Zeit zu arbeiten – obwohl ich in Elternzeit bin – weil Philipp tagsüber da ist und er die Kinderbetreuung übernehmen kann. Wir haben kaum Termine und fühlen uns weniger gestresst: Entspannte Eltern, entspannte Kinder. Unser Leben ist vielfältiger und spontaner. Wir können unsere Tage nach unseren Bedürfnissen gestalten und haben trotzdem eine Struktur – Frühstück, Mittagessen, Mittagsschlaf, Abendessen. Wir können Merle und Anton nach unseren Vorstellungen in ihrer Entwicklung begleiten und fördern. Sie sehen die Welt und erleben Natur täglich.

Unser Vanlife-Alltag in Bildern

Was machen die Kids im Camper, wenn das Wetter schlecht ist?

Regensachen anziehen und rausgehen. Im Bus spielen: Puzzeln, Autos sortieren, mit Duplo bauen, Bücher anschauen, vorgelesen bekommen, mit den Magnetbuchstaben spielen, toben, turnen, rausgucken, essen, trinken, malen, basteln, kleben, schneiden, die frisch zusammen gelegte Wäsche auseinandernehmen, sich streiten, rangeln, Seile knoten…und wenn das Wetter mehrere Tage schlecht bleibt – so ein fieser Dauerregen eben – fahren wir weiter.

Vanlife bei Regen
Vanlife bei Regen

Womit spielen eure Kinder unterwegs?

Sie spielen mit dem was sie finden und mit den Dingen, die wir dabeihaben. Es kommt auch darauf an, was der Ort, an dem wir sind, hergibt. Gibt es zum Beispiel eine Rampe, würde Anton unsere Autos rausholen und diese die Rampe runterfahren lassen. Gibt es einen Weg ohne Hubbel, werden die Skateboards und das Puky rausgeholt. Und wenn es etwas zu sammeln gibt, fängt Anton an Steine, Blätter und Früchte in eine Schüssel zu legen, Haufen zu bauen oder auch alles direkt in den Camper Van zu schaffen. Merle macht das meistens nach. Und das Fahrrad ist inzwischen im Dauereinsatz, da die Qualität des Weges nicht mehr so wichtig ist für Anton. Er fährt überall: über Wiesen, über Sandwege, über Wurzeln… Oder sie spielen mit den Bällen, die wir mithaben. Oder auch Frisbee…  

Haben Kinder mehr Spaß, wenn man einen Campingplatz anfährt, oder können sie sich eher beim Freistehen so richtig entfalten?

Ich denke, das ist egal. Sie haben Spaß, wenn sie sich sicher fühlen, und das ist meisten abhängig davon, ob sich die Eltern wohl fühlen und entspannt sind. Viel wichtiger ist es, ob es in der Nähe noch etwas zu entdecken gibt wie zum Beispiel einen Fluss, einen Spielplatz, einen Strand, einen See, eine Stadt, einen Feldweg, einen Wald, ein Restaurant, welches das Lieblingsessen der Kinder serviert.

Vanlife mit Familie

Was sind Vorteile für Kinder, wenn sie in einem Wohnmobil leben?

  1. # 01 | Kinder sind viel draußen.

Der Schritt nach draußen ist viel kürzer. Sobald du die Tür vom Wohnmobil aufmachst, besonders dann, wenn du eine Schiebetür hast, fällst du fast raus. Und die Hürde den Schritt auch zu wagen ist niedriger. Das Vorhaben doch wenigstens einmal am Tag frische Luft geschnuppert zu haben fällt völlig weg. Nachdem Frühstück wollen Anton und Merle fast immer direkt raus.

 

  1. # 02 | Kinder erleben Natur. Jeden Tag. Ohne Aufwand.

Klar, dein Wohnort liegt vielleicht im grünen und ist umgeben von Wald, Seen und Flüssen. Aber wenn ich an unseren letzten Wohnort denke. Puuuh! Da fällt mir nur Asphaltwüste, endlose Hauswandreihen, Spielplätze, auf denen Jugendliche mit Joint und Bier rumlungern, und Gehzone – immerhin! – ein. Wenn wir mit dem Camper Van unterwegs sind, sehen, hören, fühlen und riechen wir Natur. Und fast alles landet im Wohnmobil – auch gesammelte Schnecken. Ja, wir sind der Natur viel näher, weil wir mittendrin sind und uns wieder als Teil von ihr verstehen.

    1. # 03 | Kinder lernen verschiedene Orte und Menschen kennen. Und schlafen dabei immer im gleichen Bett.

    Du hast bestimmt schon davon gehört, dass viele Ortswechsel einem Kind nicht guttun. Ja stimmt auch, wenn du von Hotel zu Hotel ziehst und das fast jeden Tag. Das macht auch uns Erwachsene ganz kirre. Mit Wohnmobil lässt sich dieses „Problem“ einfach lösen. Der Schlafplatz für ein Baby und Kleinkind ist der gleiche: das Bett im Wohnmobil mit den gleichen Kissen, den gleichen Kuscheltieren und den gleichen Decken, und dem gleichen dreckigen Bettlacken, weil mal wieder jemand mit Schuhen raufgeklettert ist oder den Sand vom Strand mitgebracht hat.

     

    1. # 04 | Kinder sind dem natürlichen Licht stärker ausgesetzt.

    Es gibt wenig künstliches Licht, weil sie viel mehr draußen sind.

    wie Vanlife funktioniert infografik

    Und was sind die Vorteile für Eltern?

    1. # 01 | Draußen sind Kinder einfacher zu beschäftigen bzw. beschäftigen sich einfacher von selbst.

    Es gibt bestimmte Spiele, mit denen können sich Kinder besonders lange und selbstständig beschäftigen. Dazu gehören das Spiel mit Wasser, das Spiel mit Sand, das Spiel Steine-in-den-Fluss-werfen. Für mich ist es auch einfach wenn wir die Gegend erkunden: Anton fährt Fahrrad und ich laufe mit Merle oder trage sie. Oder wenn es einen See, einen Pool oder ein ruhiges Meer gibt, gehe ich mit Anton, der sich mit seinen Schwimmflügeln allein über Wasser halten kann, schwimmen. Merle kommt mit, wenn sie möchte.

     

    1. # 02 | Wir lernen Gleichgesinnte kennen.

    Auf der ersten Reise durch Südosteuropa, Georgien, Armenien und Iran war das eher nicht der Fall und auch noch nicht so notwendig. Auch auf dem Trip durch Italien haben wir nur wenige getroffen, die im Wohnmobil leben oder als Familie unterwegs sind. Die waren wohl zu dem Zeitpunkt alle in Griechenland. Aber jetzt in Portugal ist das anders: Wir befinden uns im Mekka der Aussteiger:innen und der Landsuchenden.

     

    1. # 03 | Wir haben Zeit mit unseren Kindern.

    Den gaaanzen verfluchten Tag. Nein, es ist sehr schön. Und ab und zu auch ätzend. Aber insgesamt sind wir sehr froh darüber, dass wir sie viel sehen, sie viele Stunden des Tages begleiten dürfen, sie erleben, viel davon mitbekommen was sie treiben, sie lachen hören, sehen wie sie teilen und wie sie das auch nicht machen.

      Was nervt uns als Erwachsene?

      1. # 01 | viele Ortwechsel hintereinander

      Ja, viele Ortwechsel bedeutet viel Auto fahren und das ist einfach nur anstrengend. Wir finden es nervig, wenn wir innerhalb einer Woche mehrmals den Ort gewechselt haben, weil wir uns ständig neu zu recht finden müssen: Wo ist der nächste Supermarkt? Gibt es hier vielleicht einen Spielplatz? Ankommen braucht Zeit. Nur mit Anton – als er noch ein Baby war – habe ich das weniger stark wahrgenommen aber nun mit Baby und Kleinkind, wirken sich häufige Ortswechsel negativ auf die Gesamtstimmung aus. Wir arbeiten aber auch. Das war in der Elternzeit mit Anton nicht so.

       

      1. # 02 | Schlechtes Wetter

      Einen Dauerregentag verkraften wir. Mehr wird schon schwieriger. Regengüsse, die sich über den Tag verteilen – anfangen und wieder aufhören – halten wir auch länger aus. Da sich das Leben viel stärker draußen abspielt, sind wir natürlich dem Wetter ausgesetzt. Der kleine Raum wird auch mir irgendwann zu eng. Und bei viel Regen werden die Sachen auch nicht mehr trocken. Da liegen die Nerven doch irgendwann Planck. Auch der matsch und Dreck, der mit hineingetragen wird, nervt sobald die allgemeine Toleranzkurve am Tagesende runtergeht.

       

      1. # 03 | Ungeeignete Orte

      Meistens stören sich ja die Eltern an den Bedingungen eines Standorts und weniger die Kinder. Mich stört zum Beispiel, wenn es sehr staubig ist und es kaum Schatten gibt und ich der prallen heißen Sonne ausgesetzt bin. Wenn das der Fall ist, brauche ich länger, um klarzukommen. Es ist anders, wenn wir an einem Ort mit Bäumen und grüner Wiese sind. Vermüllte Standorte sind auch ein absolutes no-go, da die kleinen Kinderhände fast alles anfassen und an grabbeln. Und bei Merle ist die Chance, dass etwas Müll in ihrem Mund landet, noch recht hoch.

       

      1. # 04 | Kontakt mit der Polizei

      Ja, das finden wir meistens blöd, weil es selten angenehm verläuft. Es gibt auch Ausnahmen. In Georgien war selbst die Polizei gastfreundlich: „Here is my number. Call me if you have any problem! You can stay here. It is no problem.“, hatte der Polizist am Mt. Ushba in Svaneti zu uns gesagt. Wow! Das wäre in Europa fast unvorstellbar. In europäischen Ländern war der Ton der Polizist:innen recht aggressiv. Wir stehen gerne wild aber in Ländern wie Slowenien, Kroatien – in diesen beiden Ländern wurden wir mehrfach des Platzes verwiesen und haben Strafe gezahlt – und seit diesem Jahr auch Portugal, besonders an der Algarve, verkneifen wir uns das Freistehen.

        So geschafft. Das wars jetzt aber auch. Wenn du fragen hast,melde dich bei uns.