Ich bin Anna. Ich schreibe hier.

Du denkst, das sind fettige Haare. Nein, nie im Leben. Die sind noch nass 😉
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Familie ist wichtig. Deine Visionen auch. Und Abenteuer sowieso.

Also, wir waren gerade so richtig dabei als Philipp plötzlich zu mir sagte, dass er ein Kind mit mir möchte. Oh man! Aber entgegen meiner Erwartung beflügelte das meine weiblichen Hormone und unser nachmittags Nümmerchen nahm richtig Fahrt auf. Ich hätte gedacht, dass der Gedanke an eigene Kinder meine Lust in den Keller rauschen lässt. Dem war nicht so.

Aber als die Achterbahnfahrt vorbei war, meldete sich mein Verstand zurück. Während wir so da lagen – ich in seinem Arm und er entspannt auf dem Rücken – habe ich mich an eine Situation, die ich vor einigen Jahren erlebt habe, erinnert: ich habe damals mit meiner besten Freundin in ihrer Berliner Wohnung gesessen – ich auf dem Boden und sie auf der Couch. Wir haben geredet und geredet und geredet während ihr Baby auf dem Boden herumgerobbt ist. Ich weiß noch genau wie sie ihren Alltag mit Baby beschrieben hat. Sie hatte gesagt „Anna, es ist sooo langweilig mit Baby allein zu sein. Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich verblöde“. Dieses Gespräch hatte sich zutiefst in meinem Gedächtnis eingebrannt. Damals hatte ich mir geschworen – falls ich mal ein Kind haben würde – niemals allein zu Hause zu bleiben.

Ich habe Philipp davon erzählt und hinzugefügt, dass ich mit dem Baby reisen werde, falls er lieber arbeiten gehen möchte. Meine Scheu davor zu Hause zu versacken, einzugehen, für immer Hausfrau zu bleiben war einfach viel zu groß. Ich hatte Angst davor. Einige Tage später hat er mir gesagt, dass er gerne ein Jahr Elternzeit nehmen würde. Ich bin in die Luft gesprungen und hatte das Gefühl, dass sich einer meiner Lebensträume erfüllen, wird: Eine Reise – lang und weit weit weg – mit einem Wohnmobil. Und wenige Monate später habe ich meinen Freundinnen das erste Ultraschallbild gezeigt. Als ich mich schließlich damit abgefunden hatte, dass ich tatsächlich Mama werden würde, hatte mein Gehirn auch Platz für wilde Reisefantasien.

Während Philipp jeden Morgen zur Arbeit fahren musste, hatte ich Zeit mir Gedanken über unsere Reise zu machen: Portugal, Kasachstan, Tadschikistan, Usbekistan, oder doch nach Südamerika. Schließlich bin ich in einen Buchladen gestiefelt und mit einem Reiseführer in der Hand zurückgekommen. Ich legte Philipp das Buch vor die Nase: „Willst du etwa in den Iran fahren?“, hatte er ungläubig gefragt. Nun ja, ich hatte kein einziges Buch über zentralasiatische Länder gefunden. Aber einen Iranreiseführer. Ich zuckte mit den Schultern, zog meine Augenbrauen hoch und schmunzelte frech. Warum nicht? Der Iran! Oh ja, dieses Land hatte ich schon lange auf meiner Bucket Liste zu stehen. Außerdem war ich davon überzeugt, dass ich auch mit Baby die Welt sehen kann.

Wir kauften uns einen Bus: Mercedes Sprinter, 2004er Baujahr, bereits ausgebaut. Bevor wir losgefahren sind, haben wir noch einige Änderungen im Bus vorgenommen, haben unsere Eltern besucht und haben ein letztes Wochenende mit unseren besten Freunden im Süden von Deutschland verbracht. Sechs Monate später waren wir im Iran.

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Und dann waren wir plötzlich zu viert.

Wenn schon eins, dann noch ein zweites. Genau, bloß kein Einzelkind. Darauf hatten wir uns geeinigt. Na dann. Nochmal das ganze von vorne: Schwanger sein, gebären, stillen, Muskeln aufbauen, abnehmen, sich als Familie finden, zerrissene Nächte haben, müde sein, tragen und tragen und tragen. Aber bitte auch das größere Geschwisterkind. So ist das. Aber ein zweites Kind hat uns die Chance gegeben nochmal ein Jahr Elternzeit zu nehmen und ein weiteres Mal ein Baby aufwachsen zu sehen, Liebe zu geben, Liebe zu erhalten. Und seit Juni 2020 das auch in doppelter Menge. Anton ist schließlich auch noch dabei.

Während meiner Schwangerschaft hatte Philipp doch recht schwierige Phasen und seine Lust jeden Tag zur Arbeit fahren zu müssen wurde stetig weniger. Manchmal war er sooo müde, dass er beim Spielen mit Anton auf dem Teppich eingeschlafen ist. An manchen Abenden hatte er Dampf abgelassen und gesagt, wie sehr es ihn nervt in einer unflexiblen 40 Stunden-Woche leben zu müssen. „Wir brauchen nur ein anderes Einkommen, Anna, dann können wir auch anders leben“, hatte er gesagt.

Wir kauften einen leeren Transporter: Fiat Ducato, 2016er Baujahr, leer, komplett leer. Und fingen an diesen auszubauen und machten alles selbst – vom Fenster bis zur Dieselstandheizung. Im August 2020 sind wir in unseren Camper Van gezogen und nach Italien gefahren. Und nun haben wir unsere Elternzeit verlängert, bauen unser ortsunabhängiges Einkommen auf und sind Teil der Vanlife Community.  

 

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